Eine kreditfinanzierte Kapitalanlage erscheint auf den ersten Blick paradox. Jedoch gibt es nicht wenige Anleger, die ihre Kapitalanlage teilweise oder vollständig fremdfinanzierten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. 

Bei Kapitalanlagen wurde Kredite meist wegen steuerlicher Vorteile aufgenommen. Gerade bei geschlossenen Fonds wurden vor der Finanzkrise in nicht wenigen Fällen Kreditfinanzierungen empfohlen. Der Hintergrund hierfür war, dass die anfängliche Belastung durch das Darlehen die Steuerlast des Anlegers mindern sollte. Später sollten die Auszahlung des geschlossenen Fonds die Raten des Kredits bedienen. Die Kreditfinanzierung sollte sich „von selbst“ tragen und der Anleger am Ende der Laufzeit eine höhere Summe ausbezahlt bekommen. 

Eine Variante hiervon ist die Finanzierung durch einen Fremdwährungskredit. Manche Kapitalanlagen wurden nicht durch Kredite in Euro, sondern durch die Aufnahme eines Darlehens in Schweizer Franken finanziert. Damit sollte Kapitalanlage nicht nur steuergünstig, sondern auch besonders rentabel gestalten werden. Denn aufgrund des damaligen Währungsgefälles zwischen Euro und Schweizer Franken sollte das Darlehen kostengünstig zurückgezahlt werden, sodass der Ertrag unter dem Strich noch höher ausfallen sollte.

Doch nicht bei jeder kreditfinanzierten Kapitalanlagen entschieden sich Anleger bewusst für eine Kreditfinanzierung.  Insbesondere bei Medienfonds war oftmals eine anteilige Fremdfinanzierung bei einer bestimmten Bank bereits im Fondskonzept fest vorgesehen. Das Darlehen sollte durch die Ausschüttungen des Fonds abbezahlt werden, sodass der Anleger nicht durch die Tilgung eines Darlehens belastet wird und trotzdem von den steuerlichen Folgen des Darlehens profitieren kann.

Die Pläne, die mit einer darlehensfinanzierten Kapitalanlage verknüpft waren, verwirklichten aber sich nicht in jedem Fall. Nicht eingetroffene Einnahmeprognose bei geschlossenen Fonds oder veränderte Kurse bei Fremdwährungskrediten ließen so manches Konzept scheitern. Für die betroffenen Anleger hat dies unangenehme Folgen: Die Aussicht auf Erträge ist verloren und sie müssen zusätzlich einen Kredit abbezahlen. Schlimmstenfalls müssen die Anleger auch  Steuernachzahlungen befürchten. 

In diesen Fällen stehen Anleger vor der Frage, ob sie noch etwas unternehmen können und wie sie vorgehen können. Wenn bei kreditfinanzierten Kapitalanlagen das Darlehen Probleme bereitet, dann ist der Gedanken naheliegend, gegen das Darlehen vorzugehen. Bei Krediten und Darlehen ist ein Widerspruch gegen den Darlehensvertrag eine mögliche Lösung. Doch kann ein Widerspruch einem Anleger mit einer fremdfinanzierten Kapitalanlage oder Fonds wirklich weiterhelfen?

Kann ein Widerspruch gegen den Kreditvertrag bei einer kreditfinanzierten Kapitalanlage weiterhelfen?

Eine eindeutige Antworte auf diese Frage gibt es nicht. Ein wirksamer Widerspruch hebt den Darlehensvertrag von Anfang an auf. Ein erfolgreicher Widerspruch kann aber auch Auswirkungen auf die mit dem Kredit finanzierte Kapitalanlage haben. Daher sollte vor einem Widerspruch geprüft werden, ob und welche Konsequenzen für die Kapitalanlage damit verbunden sind. Die möglichen Auswirkungen können sehr unterschiedlich sein. 

Schon die wenigen oben angesprochenen Beispiele zeigen, dass es verschiedene Varianten kreditfinanzierte Kapitalanlagen gibt und dass Kredite auf unterschiedliche Art und Weise mit der Kapitalanlage verknüpft sein können. Diese Vielfalt wirkt sich auch auf die rechtliche Beurteilung aus.  Ein Darlehen, das nur über ein dahinterstehendes Konzept mit einer Kapitalanlage verbunden ist, ist anders zu beurteilen als ein geschlossener Fonds, bei welchem eine Darlehensaufnahme ein fest vorgesehener und nicht verhandelbarer Teil des Beteiligungsvertrags ist. 

Im Zusammenhang mit kreditfinanzierten Kapitalanlagen sollte auch bedacht werden, dass eine Widerspruch oder ein Vorgehen gegen den Kredit nicht der einzige Lösungsweg ist. Es kann auch kombiniert gegen Kapitalanlage und Kredit vorgegangen werden. Gerade bei komplex konstruierten Anlegekonzepten gibt es oftmals verschiedene rechtliche Ansatzpunkte  geben. Beispielsweise können sich Rechte und Ansprüche der Anleger sich auch daraus ergeben, dass überhaupt eine kreditfinanzierte Anlage empfohlen wurde. Daher sollte gerade bei kreditfinanzierten Kapitalanlagen eine umfassende Prüfung vorgenommen werden, bevor nur gegen einen Teil des Anlagekonzepts vorgegangen wird.  

Die Anwälte der Kanzlei Dr. Stoll & Kollegen sind schwerpunktmäßig auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalmarktrechts tätig und bearbeiten viele unterschiedliche Kapitalanlagen – auch darlehensfinanzierte Anlagekonzepte. Mehr Informationen zu bestimmten Kapitalanlage und zu diesem Thema finden Sie auch auf der Homepage der Kanzlei.