Doch auch unabhängig von solchen spezifischen Problemen kann bei Versicherten der Wunsch bestehen, dass sie sich von ihrer fondsgebunden Renten- oder Lebensversicherungen lösen können. Da eine fondsgebundene Versicherung neben dem Versicherungsschutz für viele Versicherte auch eine Kapitalanlage, auf deren Wert sie zugreifen möchten. Doch im Fall eines ungünstigen Kursverlaufs der Fonds kann dies schwierig sein. Wenn Versicherte nicht eine Kursverbesserung abwarten möchten, fängt die Suche nach anderen Ansatzpunkten an. Die Kündigung der fondsgebundenen Versicherung kann ebenfalls nicht immer zu der erhofften Rückzahlung führen. Denn für den Fall einer Kündigung ist in den Versicherungsverträgen meist vereinbart, dass ein errechneter Rückkaufwert ausbezahlt wird – nicht in allen Fällen eine finanziell attraktive Option. Eine Alternativen zum einem Fondsswitch oder einer Kündigung kann der Widerruf der fondsgebundenen Renten- oder Lebensversicherung sein.

Was bewirkt der Widerruf und wann kann er eingesetzt werden?

Der Widerspruch ist ein Recht, das Verbrauchern bei bestimmten Verträgen von Gesetzes wegen zugebilligt wird. Zu diesen Verträgen gehören Versicherungsverträge. Da der Widerruf ein eigenständiges Recht ist, wird das Widerspruchsrecht nicht durch eine Kündigung ausgeschlossen. Wenn die rechtlichen Voraussetzungen für einen Widerspruch vorliegen, dann kann auch eine bereits gekündigte fondsgebundene Versicherung widerrufen werden. 

Ein Widerspruch hebt den Vertragsabschluss auf. Das bedeutet, dass die fondsgebundene Renten- oder Lebensversicherung so behandelt wird, als wäre diese niemals abgeschlossen worden. Die Folge ist, dass die vertraglichen Verpflichtungen und Rechte nicht mehr bindend sind und der Vertrag rückabgewickelt wird. Der Wegfall des Versicherungsvertrags beseitigt unter anderem auch die Grundlage für Rückkaufswert. 

Allerdings soll ein Widerspruch einem Versicherten nicht über Gebühr begünstigen. Daher müssen Vorteile und Leistungen, die im Rahmen der fondsgebundenen Renten- oder Lebensversicherung ausgetauscht wurden, bei der Rückabwicklung des Vertrags berücksichtigt werden. Diese Frage kann auch dann relevant werden, wenn beispielsweise Fondsanteile übertragen und anschließend verkauft wurden.

Wie lange kann ein Widerspruch erklärt werden?

Ein Widerruf ist bis zum Ende der Widerrufsfrist möglich. Diese Grundregel gilt auch bei fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen. Daher muss vor einem Widerruf geklärt werden, ob die Widerrufsfrist bereits abgelaufen ist oder ob die Frist überhaupt zu laufen begann. Eine Voraussetzung für den Start der Widerrufsfrist ist, dass der Versicherte ordnungsgemäß über sein Widerrufsrecht aufgeklärt wurde. Um dies klären zu können, muss u.a. die Widerspruchsbelehrung überprüft werden. 

Diese Frage ist jedoch nicht einfach zu beantworten. Denn die rechtlichen Anforderungen an eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung sind hoch. War die Widerrufsbelehrung grafisch so gestaltet, dass sie gut wahrnehmbar ist oder „versteckte“ sie sich im übrigen Text? Ist die Belehrung so formuliert, dass ein Verbraucher zutreffend über sein Widerrufsrecht – insbesondere über den genauen Fristbeginn – informiert wurde? Schon diese wenigen Einzelfragen lassen erahnen, dass dies für jeden Einzelfall gesondert beantwortet werden muss durch eine Überprüfung der konkret verwendeten Vertragstexte, Unterlagen und Rahmenbedingungen.

Ist der Widerruf der „Königsweg“, wenn ein Versicherter sich von einer fondsgebundenen Renten- oder Lebensversicherung trennen möchte?

Der Widerruf eines Versicherungsvertrags gehört zu den gesetzlich zugestandenen Optionen eines Versicherten. Wie sich dem obigen kurzen Überblick über den Widerruf einer fondsgebundenen Versicherung entnehmen lässt, handelt es sich um eine komplexe Rechtsmaterie. Zudem haben sich auch zahlreiche Gericht hiermit befasst und verschiedene Bedingungen und Anforderungen an den Versicherungsvertrag aber auch den Widerruf formuliert. Da es viele unterschiedliche fondsgebundene Renten- und Lebensversicherungen gibt und beispielsweise auch die Details der Widerrufserklärung erheblichen Einfluss auf die rechtliche Bewertung eines Falls haben, kann eine fundierte Einschätzung erst nach einer Überprüfung des konkreten Einzelfalls vorgenommen werden.